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Gedanken auf dem Soldatenfriedhof in Kreta

Zehntausende Deutsche machen Urlaub auf Kreta, jener zauberhaften Insel, auf der der geniale "El Greco" geboren worden ist. Im 2. Weltkrieg landeten hier deutsche Fallschirmspringer, hunderte ließen ihr Leben. Für was? Um gegen die Alliierten einen Stützpunkt zu haben? Was hatten deutsche Soldaten in Griechenland und auf Kreta verloren? Was hatten sie in Russland verloren?

Es ging viel verloren. Viele Gliedmaßen. Viele Leben. Eine ganze Generation ging verloren. Man spricht ja von der verlorenen Generation. Die jungen Männer, manche davon noch halbe Kinder, wurden mitten aus der Arbeit oder direkt von der Schulbank weg in Kasernen gesteckt, wo man ihnen beibrachte zu töten. Wer tötet denn gerne? Wer läßt sich gerne töten? Die Männer, die hier bestattet worden sind, hatten wenig Zeit, die wundervolle Landschaft und das blaue Meer zu genießen. Die Frauen, die zu diesem Friedhof gehen, gehen langsam, sie gehen am Stock, sie werden von ihren Angehörigen gestützt. Sie sind sehr alt und sie besuchen die Gräber ihrer Männer. Sie weinen in sich hinein. Sie beweinen die vielen Jahre ohne ihren Mann. Grabkreuze auf Kreta Sehr zerbrechlich wirkt die alte Frau, die einen Blumenstrauß am Grab eines unbekannten Soldaten niederlegt. Es gibt hier viele solcher Gräber. Die alte Frau verharrt in der absoluten Stille, die über dem Soldatenfriedhof liegt.
Und dann spricht sie mit ihrer Enkelin, die sie hierher begleitet hat. "Ich weiß, dass ist das Grab vom Herbert", sagt sie. Und dann lächelt sie. "Ich weiß es ganz genau. Ich habe es gespürt", sagt sie. "Ich habe mit Herbert gesprochen und er wünscht dir alles Gute!", sagt sie. Da beginnt die Enkelin zu schluchzen. Sie war noch nie auf einem Soldatenfriedhof, wo sich eine schlichte Steintafel an die andere reiht. Die Stimmung hat sie ergriffen gemacht. Und dabei wollte sie doch gar nicht weinen. Und dann sagt die junge Frau zu der alten: "Ich habe Opa besucht. Er wohnt hier sehr schön!"
Siegfried M. Dornemann © Kopfweiden-Verlag
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