Letzte Worte
Wie ein Mädchen, das sich waschen geht,
stieg die Sonne ins Meer,
wo der Abend ihr ein Blütenbeet
auf die Wellen streute. Um mich her
kehrte Landwind das Silber
der Olivenblätter nach oben.
Das Sonnenfeuer brannte milder
auf der Wasserhaut der Wogen.
Fischerboote fuhren aus dem Hafen
und ich warf die Taue in mein Boot.
Möwen flogen landwärts, um zu schlafen.
Ich hatte Brunnenwasser, Fisch und Brot
gleich beim Ruder gut verstaut.
Tief atmete das Segel den Wind
und Salzluft strich kühlend über meine Haut,
scheu uns sanft, wie Mädchenfinger sind.
Als wollten sie an die Sonne erinnern
flammten überall Lichtpunkte auf,
Herdfeuer vor den Hütten und aus ihrem Innern,
Bootslampen zog man die Masten hinauf,
darüber im weitbauschigen Gewand der Nacht
glimmten, glühten, strahlten die Sterne.
Das Licht auf meinem Masten war entfacht,
hell lag das Boot und dunkel die Ferne.
Ich warf das Netz weit von den andern
doch bald zog es ein Fisch mit sich fort
- große Fische sind einsam und wandern -
und zog mich mit Macht an einen zeitlosen Ort.
Durch Wellen und Nacht tauchte schneeweiß
eine baumlose Insel aus den Tiefen hervor.
Sie blendete schmerzend und war doch nicht heiß,
immer lauter schwollen Gesänge im Ohr.
Als sie dann da war,
fern von Erde und Zeit
umtanzte mich eine Elfenschar
und schlug mich in Sprachlosigkeit.
Doch ihr eigenes Lied
sprühte Funken und Feuer,
ich schrieb es, bevor ich mit ihnen schied,
diese Flaschenpost sei nun euer:
Die Erde stirbt gewiß nicht,
sie lebt in ihrem Kern.
Was abfällt ist die Schale
und harte Außenschicht.
Das Leben dort ist fern
vom Licht
und tot mit einem Male.
Wer in der Mitte lebt,
steht dem Leben nah.
Er geht durch alle Siebe
wie das, was nie vergeht.
Ewig bleibt er da
gefegt
im Feuer seiner Liebe.
Samuel Kiefer