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Fremde Wiegen

Die Kinderbuchautorin Ilse Weber wurde, ebenso wie ihre Mutter und ihr jüngster Sohn Tommy, im KZ ermordet. Sie pflegte in der Krankenstation des KZ Theresienstadt fremde Kinder. Ihren ältesten Sohn Hanus hatte sie noch nach England in Sicherheit bringen können. Ihm ist dieses Gedicht gewidmet.

Fremde Wiegen

Ich sitz an fremden Wiegen
so oft im Abendschein,
in meine Hände schmiegen
sich kleine Fingerlein.

Aus großen Augen schauen
mich fremde Kinder an,
so gläubig, voll Vertrauen,
wie nur ein Kind sein kann.

Das Schwere und das Trübe
versinkt dann um mich her,
ich fühle solche Liebe,
als ob mein Kind es wär.

Ihr lieben Augensterne,
von keinem Leid noch trüb,
vielleicht hat in der Ferne
mein Kind auch jemand lieb.

                       Ilse Weber
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